flusskrebse, natur, und wein

ein abend im franziskischlössl am kapuzinerberg in salzburg.

 „warum nutzen sie nicht die gelegenheit, bis zu den ellenbogen in köstlichem fleisch zu versinken? […] dieses krustentier hat sein leben für sie gelassen. das mindeste, was sie tun können, ist,
jedes fitzelchen von ihm aus der schale zu holen.“*

gesagt, getan: anton und wolfgang laden im franziskischlössl
hoch über der stadt salzburg zum flusskrebs-abend.

flusskrebse lassen einiges mit sich machen

sie verstecken die tierchen in fluffigen eierkuchen und umrahmen sie mit eierschwammerl. die bouillabaisse ist extrem intensiv und bereits jetzt steht eine große schale wunderbar cremiger, strahlend oranger krebs-knoblauch-butter dabei. davor 1988er sardinen aus der dose – war ein guter jahrgang, offenbar…

(c) alexandra schmidt
(c) alexandra schmidt

dann die hauptdarsteller: große, schöne, orange tiere. nur  zitrone dabei, brot und krebs-knoblauch-butter stehen ja schon da. neu ist eine sauce mit intensivem knoblauchgeschmack.

wie geht das eigentlich, dass knoblauch so gut dazu passt? das zarte krebsfleisch schmeckt so fein, und ja, natürlich kommt es dabei auch auf die perfekte konsistenz an. aber ausgerechnet knoblauch mit seiner intensität, ist bemerkenswert und eigentlich verwunderlich.
nun, hauptsache, es funktioniert. und wie es funktioniert.

(c) alexandra schmidt

rosa wein zu rosa essen. aber nicht nur.

flusskrebse sind orange, ihr fleisch zartrosa bis weiss – das ganze franziskischlössl samt – leider verregnetem – garten sind so dekoriert. der wein? rosé, was sonst?
was guten rosé ausmacht, habe ich hier schon mal geschrieben.

der aix rosé aus der provence kommt aus der 6-liter-flasche daher – was für ein auftritt. die weinfreundin probiert zum essen den rosé vom loimer. fruchtig, fast ein wenig würzig, anregende säure – und ja: erfrischend. passt. auf der karte ist auch riesling,
den tischnachbarn schmeckt er sichtlich.

(c) alexandra schmidt

es gab noch grünen veltliner und zweigelt. bei sowas soll der wein nicht zu kompliziert sein. immerhin erfordert das essen einige aufmerksamkeit und ergibt messy hände bis hinter die handgelenke. was wir immer predigen, bei weinverkostungen:
greifen sie das glas nur am stiel an. echt jetzt.

ein wortspiel zum dessert

das dessert? crepes. erst eine der vielen guten geister aus dem richtig guten service spricht es so aus, dass auch bei uns der groschen fällt: „kreps“ [krɛɓ​s]  –  die herben orangenfilets harmonieren wunderschön damit, cupcakes gibt’s auch, richtig schöne.

kaufen/liegenlassen/meiden/verschenken

gehen sie ins franziskischlössl, wenn ihnen die 30minütige wanderung von der stadt herauf spaß macht oder sie eine ausrede brauchen, sich das gute essen immerhin ja auch verdient zu haben, beim raufgehen, also bitte.

es steht am kapuzinerberg in der stadt salzburg und bietet gute küche zu wohlfeilen preisen. egal ob tag oder nacht und fast egal, welches wetter: der blick auf die stadt ist atemberaubend, der garten magisch, die gaststube fein und gut zum sitzen.

psst: man kann auch ein taxi nehmen. obwohl wer unerschrockener hinterm steuer sitzen muss, bei der schmalen straße.

meiden sie ganze flusskrebse, wenn sie nicht mit den fingern essen wollen. und lassen sie das franziskischlössl insgesamt links liegen, wenn ihnen das alles schon bis jetzt furchtbar aufwändig erscheint. ist es aber gar nicht.

meiden sie das franziskischlössl, wenn ihnen alte, liebevoll renovierte gemäuer genau so wenig zusagen wie verwunschene gärten. und wenn sie mit dem eigenen auto vor die tür fahren möchten.

verschenken sie einladungen ins franziskischlössl großzügig an liebe menschen, die gut zu fuß sind, die natur lieben und beim anblick einer gelegentlich aufblitzenden gemse nicht allzusehr erschrecken. ja, richtig gelesen: am kapuzinerberg leben die wohl urbansten gemsen der welt.
www.franziskischloessl.at

auch das kleine, feine feinkost salzburg in der stadt ist ein projekt von anton und wolfgang. erreichbar ganz ohne bergsteigen.
www.feinkost-salzburg.com

(c) alexandra schmidt

*aus: laurie graham, handbuch der feinen englischen art, dtv 1992

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