gereift, junger wein und over the top

alter und lagerung von wein

das mit dem alter ist so eine sache bei wein. manche können es nicht erwarten, bis anfang november der erste heurige ins glas kommt. und von einem erzählt man: „während einer großen weinverkostung auf chateau lafite rothschild anfang der 80er jahre, bei der weine bis zum legendären jahrgang 1945 zurück degustiert wurden, fragte einer der teilnehmer baron eric de rothschild, welcher wein ihm den am besten gefalle:‘1959, erwiderte der baron, ‚wenn sie ebenfalls junge weine bevorzugen.‘“ (aus: klaus egle, handbuch für weinsnobs, deuticke 2003)

wann und warum soll wein lagern?

wein ist eine flüssigkeit, die aus traubensaft mit einigen hefen zu einem regelrechten zaubertrank wird. nicht umsonst ruhen weine oft jahrelang in fässern, bevor sie in flaschen abgefüllt werden. sie reifen, beruhigen ihr ungestümes gemüt, das sie vielleicht von einem heißen sommer mitbekommen haben und von den wilden hefen, mit denen sie spontan vergoren wurden. die feinhefen am fassboden sorgen für noch mehr geschmeidigkeit mit der zeit, oft werden sie immer wieder aufgerührt (batonnage).

manche bekommen von einem barrique-fass vanillenoten mit, weil das so gut zu ihnen passt. vor allem wenn sie chardonnay heißen oder cabernet sauvingon. säure, tannin, alkohol oder auch restzucker sind haltbarkeitsgaranten und verschmelzen mit der zeit erst zum unvergesslichen geschmackserlebnis.

(c) alexandra schmidt

und das wie?

 dunkel und bei gleichbleibend niedriger temperatur. mein weinlagerschrank ist auf 12 grad eingestellt. ein bisschen wärmer ist auch ok, wenn es über’s jahr ungefähr gleich bleibt. hohe temperaturunterschiede oder viel licht wirkt sich unvorhergesehen auf die lagerung aus – vorsicht. verkorkte weine liegend lagern, bei absolut luftdicht verschlossenen wein wie schraubverschluss, kronenkorken oder glaspfropf geht’s auch stehend. wein reift in größeren flaschen langsamer. keine starken gerüche neben verkorkten weinen – kein sauerkrautfass und keine knoblauchzöpfe.

 weinlager kosten platz – und damit geld. nicht viele weinkarten dieser welt enthalten gereifte weine. sehr schade. 

aufmachen/liegenlassen/verschenken/meiden

öffnen sie weine nicht zu früh. nehmen sie ihren mut zusammen und lassen sie einige flaschen liegen. wenn sie sechs flaschen eines weins gekauft haben: öffnen sie alle sechs monate eine davon. vergleichen sie, machen sie sich notizen.
und dann – wow!

lagern sie haltbare weine kühl und dunkel ein. es gibt nichts schöneres, als noch eine flasche vom lieblingswein im lager zu wissen. vergessen sie die weine nicht.
und wenn sie lust haben – wow!

verschenken sie gereifte weine vorsichtig. an liebe menschen, die schon mal gesagt haben, sie mögen das. bei denen sie wissen, die können das schätzen.

meiden sie gereifte weine, wenn sie bei wein am liebsten die primären fruchtnoten mögen, wenn sie ecken, kanten, tannin lieben und wenn sie keine guten lagermöglichkeiten haben. und, ja: wenn sie „over the top“ sind. weißweine, die schon sherry-artig schmecken, aber ohne kraft oder rotweine, die nur mehr ihre säure mithaben – ja, manchmal hat man einfach zu lang gewartet. macht nix – es gibt jedes jahr einen neuen jahrgang, und das weltweit. cheers.

(c) mira turba

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