albert gesellmann: geheimsache bio

große namen aus dem burgenland: opus eximium, bela rex, G

im jahr 2011 habe er erstmals „bio“ gearbeitet. und es fast niemandem gesagt – nur den allerengsten im team und in der familie. warum? er wollte wissen, was es für den wein bringt. er wollte kein schlagwort, kein marketing als wirkung. kein neues aushängeschild. sondern immer nur besten, hochwertigsten wein – ohne die tradition zu unterbrechen oder die vergangenheit zu verleugnen. hat es funktioniert?

ein familienbetrieb macht alles selber

ja: es hat funktioniert. sicher könnte er größer sein. aber 30.000 flaschen auf 45 ha, das gehe im erweiterten familienbetrieb. da könne man alles selber machen und er könne alles im blick haben. zb es in „bio“ zu probieren. beim dünger, mit homöopathischen spritzmitteln im weingarten. bei der kellerarbeit. ohne dass es wer weiß. und ohne dass es wer merkt. das war ein risiko, aber es hat sich gelohnt. weine, weingärten, rebstöcke sind fit für die klima-herausforderungen unsere zeit. und gut. so gut.

(c) alexandra schmidt

der opus eximium, der bela rex und der „G“ sind die flaggschiffe im hause gesellmann. die lage hochberg bringt zudem großartigen blaufränkischen reinsortig. auch der G ist fast nur blaufränkisch, die anderen beiden ergänzen internationale rebsorten wie cabernet sauvignon und merlot. im opus eximium ist auch pinot noir drin. so treffen die vorbilder aus bordeaux und burgund auf den blaufränkischen aus dem burgenland. und auf albert gesellmanns ehrgeiz. sie genügen dem anspruch. und wie.

bio, das kann vieles heißen…

bio, das heißt hier: rindermist, rebholzschnitzel mit tresterrückständen als dünger. ein lebendiger boden im weingarten – mit buchweizen, senfgarben und allerlei nutzpflanzen. die weine sind spontan vergoren – der weißwein seit 2011, der rotwein seit 2015. alles andere wär‘ ihm zu einfach.

etwas wollen, entscheiden und wissen, warum.

alles hier hat anspruch, qualität und sinn. 90 jahre alte rebstöcke für das G-traubenmaterial. draußen ernten 30 leute, fünf sorgen im keller für saubere verarbeitung. optische selektion? macht ein scanner mittels farbspektrumsanalyse, ein luftstrahl bläst unreife trauben raus.

ein extraktreicher wein, der viel weinstein ausscheidet verschließt die poren vom holzfass – es kann nicht mehr atmen und was an ausbau damit bezweckt werden wollte, geht verloren.

 der blaufränkisch hochberg macht seine alkoholische gärung in 500 l-holzfässern und liegt lang auf der maische.

sonst sollen die eingriffe gering gehalten werden. man wolle die trauben „im anbau begleiten“ und im keller eher „faul“ sein. wer’s glaubt…hier ist einiges an fleiß dahinter.

immer mehr flaschen haben schraubverschluss, immer weniger mit kork. man habe noch keinen nachteil erkennen können. das problem waren nie die echten korkfehler – die waren zwar blöd, aber wenigstens eindeutig. der schleichende kork, wenn ein wein nicht mehr „singt“, das ist das drama. jeder mit schraubverschluss habe noch die probe aufs exempel im vergleich zum kork gewonnen. mut hat er, denn die kritik ist auch an diesem abend genauso lautstark wie unbegründet.

hochberc (c) alexandra schmidt

kaufen/liegenlassen/meiden/verschenken

kaufen sie weine von albert gesellmann, wenn sie burgenländische rotweine mit internationalem anspruch mögen. charakterstarke weine mit viel tannin in jungen jahren. weine aus trauben, die viel sonne gesehen haben, oft alkoholstark.

liegenlassen können sie diese weine ganz schön lang. im kühlen, dunklen keller oder im lagerschrank. wenn sie ein paar reifere jahrgänge in einem regal sehen: keinesfalls liegenlassen, sondern kaufen. der 2008er hochberg ist jetzt gerade richtig. und der 2007er G? auch, aber der ist ausverkauft…

meiden sie weine von albert gesellmann, wenn sie diesen rotweinstil nicht mögen. wer den weißwein kühl, fruchtig, frisch und säurebetont mag, wird hier auch nicht ganz so glücklich. der sauvignon blanc und der chardonnay sind kräftig, körperreich, cremig und stark.

verschenken sie weine von albert gesellmann an liebe menschen, die sich auskennen oder auf dem besten weg dazu sind. an jemanden, der es „klassisch“ mag.
und traditionsreich. und gut.

hier geht’s zum weingut gesellmann
und hier zum weinloft rieger, dort war die verkostung im september 2018.

verkostungsliste (c) alexandra schmidt

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